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UX-Writing: 8 Regeln für effektive UX-Texte

Contentsquare
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Juli 31, 2020
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Lesedauer 7min

UX-Writing: Wie du damit zur Verbesserung deiner UX beiträgst

Hast du den Begriff UX-Writing schon einmal gehört? Falls nicht, dann bist du nicht allein.

UX-Writing ist ein recht neues Konzept, das sich noch im Entwicklungsstadium befindet. Es findet vor allem in den USA Anwendung und wird von Unternehmensgiganten wie Google, Apple oder Slack vorangetrieben. In Deutschland hingegen hört man den Begriff eher selten.

Dabei bietet das Konzept eigentlich die Antwort auf ein universell bekanntes Problem: Wie kann man die User Experience nicht nur durch die Verwendung eines ansprechenden Designs, sondern auch einer optimalen Wortwahl verbessern?

UX-Writing ist keine bloße Modeerscheinung. Es handelt sich eher um eine Neuevaluierung des Stellenwerts von Website-Texten. Diese folgt auf eine jahrelange Missachtung und einen Missbrauch von Web-Content zum alleinigen Zwecke der Suchmaschinenoptimierung.

Doch die Zeiten ändern sich. Die Content-Ersteller des World Wide Web wollen endlich wieder den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

UX-Writing ist Teil dieses Paradigmenwechsels. Es ebnet den Weg für klare, zugängliche Nutzeroberflächen, die Nutzern das Gefühl geben, die Kontrolle über ihr Erlebnis zu haben.

So wird nur anhand der richtigen Wortwahl aus einer nüchternen, schlecht lesbaren Checkout-Seite ein nutzerfreundlicher, vertrauenswürdiger Ort zum Einkaufen. Natürlich steigt dann auch die Conversion Rate der Seite.

In diesem Artikel werden wir zunächst definieren, was UX-Writing ist, und dir anschließend unsere acht Tipps für erfolgreiches UX-Writing präsentieren.

Was ist UX-Writing?

UX-Writing ist eine benutzerorientierte Schreibmethode. Ziel ist es, Benutzern die Interaktion mit einem Produkt oder einer Dienstleistung zu erleichtern.

Die Person, die für das UX-Writing eines Projekts verantwortlich ist, ist der UX-Writer (oder UX-Texter).

UX-Writer sind in doppelter Mission unterwegs:

  • Sie entwickeln Inhalte, die präzise auf die Bedürfnisse der Produktbenutzer zugeschnitten sind. Durch die Bereitstellung leicht verständlicher Informationen reduzieren sie das Potenzial für Zweifel und Verunsicherung hinsichtlich der verfügbaren Handlungsmöglichkeiten.
  • Durch die richtige Wortwahl festigen sie die Positionierung der Marke und heben dadurch die Herausstellungsmerkmale der Marke hervor.

Die Arbeit der UX-Writer ist für den Website-Besucher überall sichtbar. Sie gestalten:

  • CTAs (Calls-to-Action);
  • Formulare;
  • Benachrichtigungen;
  • Auswahlmenüs;
  • Landing-Pages;
  • Titel und Untertitel;
  • und sogar Fehlermeldungen!

Ihre Arbeit ist auch auf verschiedenen Plattformen zu sehen, wie:

  • Desktop;
  • mobilen Websites;
  • Anwendungen für Smartphones;
  • Nutzeroberflächen auf Spielkonsolen oder Smartwatches usw.

Während man mit dem UX-Design versucht, eine ergonomisch ansprechende Erfahrung zu schaffen, wendet man beim UX-Writing seinerseits redaktionelle Maßnahmen an, um das Nutzererlebnis zu optimieren.

Da Design und Text einander ergänzen, arbeiten auch der UX-Writer und der UX-Designer von Anfang an Hand in Hand, um gemeinsam eine gute UX für ihre Website oder Anwendung zu gestalten.

Der Tätigkeitsbereich von UX-Textern hört allerdings nicht dort auf. Sie arbeiten in ihrem Alltag auch mit den Marketing-, Rechts- und Vertriebsteams zusammen.

8 Tipps wie du mit UX Writing deine User Experience verbessern kannst

Obwohl das Konzept ja noch sehr neu ist, gibt es für das UX-Writing bereits eine Reihe bewährter Verfahren. Diese basieren auf mehreren Jahrzehnten des Studiums und der Optimierung von UX-Designs.

Im Folgenden präsentieren dir unsere UX-Experten acht Regeln für das UX-Writing, mit denen du die Nutzererfahrung verbessern und deine Conversion Rates ankurbeln kannst.

Regel Nr. 1: Du musst wissen, wer deine Benutzer sind.

Das ist die erste und wichtigste Regel.

Genau wie für das UX-Design im Allgemeinen gilt für das UX-Writing, dass du die Besucher deiner Website erst einmal besser kennenlernen musst, um ihnen ein maßgeschneidertes Erlebnis bieten zu können.

Du solltest also die verschiedenen Besucherprofile herausarbeiten und herausfinden, welche Ansprüche und Erwartungen Nutzer haben, damit du dich in sie hineinversetzen und ihre Bedürfnisse erfüllen kannst.

Dazu musst du vor jedem Projekt:

  • Gemeinsam mit deinem UX-Designer Umfragen unter/Gespräche mit deinen aktuellen oder potenziellen Nutzern durchführen;
  • basierend auf den Ergebnissen der Umfragen/Gespräche eine Matrix des Mindsets dieser Benutzer erstellen;
  • Wireframes erstellen, um auf Basis der Bedürfnisse von Benutzern eine oder mehrere reibungslose Buyer’s Journeys darzustellen.

Das Schlagwort lautet EMPATHIE.

Regel Nr. 2: Kein Fachjargon!

Jede Branche und jeder Beruf hat einen eigenen Wortschatz. Es ist also wahrscheinlich, dass du in deinem Alltag eine Reihe von Ausdrücken gebrauchst, die Außenstehende nicht verstehen würden.

Auch bei diesem Thema musst du empathisch sein. Frage dich beim Verfassen deiner Texte immer wieder, ob deine Benutzer die Wörter verstehen, die du verwendest.

Im Zweifelsfall ist es vielleicht besser, den jeweiligen Ausdruck mit einfacheren Worten zu umschreiben.

Auch solltest du lieber auf Wörter und Ausdrücke verzichten, die aus anderen Gründen zu komplex oder potenziell irreführend sein könnten.

Ein klassisches Beispiel ist der Unterschied zwischen dem englischen Sign In und Sign Up, der für ein nicht englischsprachiges Publikum keineswegs offensichtlich ist. Die Verwendung von Synonymen wie Register oder Create an Account würde jedoch ausreichen, um diese Mehrdeutigkeit zu beseitigen.

 

Regel Nr. 3: Nutze die redaktionelle Ausrichtung deiner Marke als Leitfaden.

Verfügt dein Unternehmen über einen Marketingplan, der auch Pressearbeit und/oder Werbung umfasst? Dann habt ihr wahrscheinlich ebenfalls eine klar definierte redaktionelle Ausrichtung.

Die Positionierung deiner Marke und die auf anderen Plattformen verwendete Ausdrucksweise muss auch in deinen Webinhalten genau wiedergegeben werden.

Indem du eure redaktionelle Ausrichtung widerspiegelst, stärkst du das Vertrauen der Nutzer, da dein Unternehmen ihnen mit einem durchwegs einheitlichen Auftritt begegnet.

Die App Slack veranschaulicht diese Kommunikationskohärenz perfekt, da sie konsequent hervorhebt, was ihren Service ausmacht: Zusammenarbeit und Teamarbeit.

Ebenso ist es ratsam, den Wortlaut über alle Kommunikationskanäle hinweg so weit wie möglich zu harmonisieren, um Missverständnissen vorzubeugen.

Wenn beispielsweise auf eurer Website „Jetzt registrieren“ verwendet wird, solltest du vermeiden, in anderen Kanälen andere Formulierungen (z. B. „Jetzt abonnieren“) z nutzen.

Regel Nr. 4: Die Lesbarkeit deiner Inhalte ist wichtig.

Benutzerorientierte Inhalte sind auf unterschiedliche Lesekontexte ausgerichtet, z. B.:

  • Die Inhalte werden auf einem kleinen Bildschirm aufgerufen.
  • Ein Leser hat ein beeinträchtigtes Sehvermögen.
  • Ein Leser hat nur wenig Zeit zum Lesen.

Angesichts dieser Szenarien ist es unerlässlich, auf die Lesbarkeit deiner Texte zu achten.

Diesem Thema könnte man einen ganzen Artikel widmen, deshalb hier nur einige Tipps, mit denen du deine Inhalte lesefreundlicher gestalten kannst:

  • Aufzählungslisten sind eine gute Alternative zur Aufzählung mehrerer Elemente innerhalb eines Satzes. Auf diese Weise können Benutzer direkt auf die Informationen zugreifen, die sie interessieren.
  • Verwende bei jedem Übergang einen neuen Titel oder Untertitel.
  • Hebe die zentralen Wörter mit Fettschrift oder Kursivschrift hervor.
  • Stelle deine Inhalte in beliebten Formaten zur Verfügung, z. B. Leitfäden, Tutorials, umgekehrte Pyramiden usw.

Regel Nr. 5: Wähle für jede Gelegenheit die richtige Ausdrucksweise.

Jedes Unternehmen hat seine eigene, individuelle Ausdrucksweise. Die Ausdrucksweise deines Unternehmens ist vielleicht von Humor geprägt. Möglicherweise soll sie aber auch inspirierend wirken oder den pädagogischen Aspekt eurer Inhalte hervorheben.

Indem du die Customer Journey deiner Nutzer genau definierst und dich umfassend mit ihrem Mindset beschäftigst, kannst du besser nachvollziehen, was sie zu verschiedenen Zeitpunkten erwarten. Auf Basis dieser Informationen kannst du zusätzlich für jede einzelne Phase deine Ausdrucksweise noch einmal leicht anpassen.

Eine oft verwendete Strategie besteht zum Beispiel darin, in der ersten Phase der Customer Journey eher auf humorvollen Content zu setzen, um erst einmal die Aufmerksamkeit von Nutzern zu wecken und ihnen die Chance zu geben, das Unternehmen besser kennenzulernen. Später, wenn Nutzer dann Interesse an deinem Angebot zeigen, würdest du dazu übergehen, ihnen auf professionelle und sachkundige Art die Vorteile deines Angebots darzulegen.

In der letzten Phase würdest du weiter versuchen, das Vertrauen deiner potenziellen Kunden in dein Unternehmen/Angebot zu stärken, und ihnen konkrete Belege dafür bieten, dass ein Kauf bei dir die richtige Wahl ist.

Regel Nr. 6: Auch deine 404-Seiten können Besucher begeistern.

Auf einer 404-Seite zu landen, ist für Internetnutzer wohl eine der frustrierendsten Erfahrungen überhaupt.

Man möchte mit einer bestimmten Absicht eine Seite besuchen und findet dann heraus, dass diese gar nicht existiert.

Doch diese Situation muss nicht ganz hoffnungslos sein. Im Gegenteil: Mit der richtigen Wortwahl kannst du die Frustration deiner Besucher lindern oder sie sogar dazu bringen, sich weiter auf deiner Website umzusehen.

Sieh dir mal an, wie die Designer dieser 404-Seite versuchen, Besuchern eine Enttäuschung zu ersparen.

 

Regel Nr. 7: Denke nicht nur auf Deutsch.

Diese Regel ist wahrscheinlich am schwersten umzusetzen, doch du kannst dadurch potenziellen Missverständnissen vorbeugen.

Das Prinzip ist einfach: Jeder Satz, den du schreibst, sollte in jede der auf deiner Website angebotenen Sprachen übersetzt werden können und dort auch Sinn machen.

Indem du bei diesem Schritt die Hilfe eines oder mehrerer Übersetzer in Anspruch nimmst, ersparst du dir, deine Inhalte später noch einmal umschreiben oder lokalisieren zu müssen.

Regel Nr. 8: SEO war gestern. Heute dreht sich alles um SXO!

Die traditionelle Suchmaschinenoptimierung (SEO, Search Engine Optimization) wird heute zunehmend von der SXO – also der Search Experience Optimization, zu Deutsch Sucherlebnisoptimierung – ersetzt.

Das ist nicht zuletzt auch auf Googles Absicht zurückzuführen, sich Nutzern nicht mehr als Suchmaschine, sondern als Antwortmaschine anzubieten.

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Inhalte ausschließlich mit dem Ziel erstellt wurden, ein gutes Ranking für bestimmte Keywords zu erzielen.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen heute der Nutzer und die Qualität seiner Browsing-Erfahrung. Deshalb ist SXO jetzt ein absolutes Muss!

Das bedeutet jedoch nicht, dass UX-Writing und SEO nicht kompatibel sind. Im Gegenteil – es ist jetzt Aufgabe der UX-Writer, die Absichten der Internetnutzer zu erkennen und dann die entsprechende Wortwahl zu treffen.

Mit dieser Strategie profitierst du gleich auf zwei Arten: Deine Website erhält ein besseres Ranking für Suchanfragen, in denen deine Art von Aktivitäten thematisiert werden, und du baust Nähe zu den Internetnutzern auf, da du dieselbe Sprache sprichst wie sie (Empathie).

Es gibt eine Reihe kostenloser Tools, die dir wertvolle Informationen zur Suchabsicht der Internetnutzer liefern. Dazu gehören Google Trends, AnswerThePublic und Ubersuggest.

 

UX-Writing ist kein bloßes Schlagwort. Es ist Teil eines revolutionären Trends, bei dem Internetnutzer wieder zum Mittelpunkt des Webs werden. Es ist ein Trend, den wir von unserer Seite her nur begrüßen können.

 Als neuer Eckpfeiler der Benutzererfahrung bietet UX-Writing dir die Möglichkeit, die Kundenzufriedenheit und dadurch deine Conversion Rates zu steigern.

 Und genau wie für jede andere Optimierungsstrategie kannst du auch den Erfolg deiner UX-Writing-Bemühungen anhand von A/B-Tests messen, um deine Texte immer wieder zu optimieren.

 Wir unterstützen Unternehmen bereits seit vielen Jahren bei der Verbesserung ihrer Customer Journey und online User Experience.

 Möchtest du potenzielle Reibungspunkte deiner Website oder Anwendung identifizieren und herausfinden, ob du die richtige Ausdrucksweise verwendest?

 Wir zeigen dir gerne, wie du mit unserer Plattform die Effektivität deiner Arbeit steigern kannst und dabei sogar noch Zeit sparst.

 

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Contentsquare